LANGUAGE IS (NOT) OBVIOUS. ASYNCHRONE BEWEGTBILDER VON GESTE UND WORT

Einleitung:

Die natürlichen Bewegungen des Körpers - und vor allem die Gesten - begleiten die verbale Sprache in jeder Sprechsituation. In audiovisuellen Bewegtbildern, besonders solchen die für die Dissemination von Wissen produziert werden, steht heute oft der Sprecher mit seinem sichtbaren Körper im Mittelpunkt. Insbesondere wenn diese Videos online verbreitet werden, tritt dabei häufig Asynchronität zwischen Bild- und Tonspur auf.
Im vorliegendem Beitrag wird anhand dreier Videobeispiele aufgezeigt, wie asynchrone Versatze von Geste und Wort eine Bedeutungsveränderung erzeugen. Als Beispiele dienen erstens Interview- Videos mit Slavoj Žižek, einem geübten Redner, der deutlich ausgeprägte Gesten verwendet. Zweitens wird Bezug auf eine Aufnahme eines Interviews mit Michael Tomasello genommen. In diesem Beispiel wird durch den Bild- und Ton-Versatz eine autoperformative Repräsentation seiner Aussage generiert. Tomasello spricht über die kontextuelle Relevanz der Zeigegeste, während sein Zeigen ironischerweise temporal versetzt zu der verbalen Sprache geschieht.


Im Sinne einer Verkörperung des Wissens können solche temporalen Verschiebungen die Bedeutung der Sprache sowohl verändern indem sie zu unbeabsichtigten Rekombinationen von Geste und Wort führen.

 

Reutemann J.: "Language is (not) obvious. Asynchrone Bewegtbilder von Geste und Wort" (2015), in: Bewegtbilder: Kognition, Repräsentation, Verkörperung, Kiel.